Artikel · Alka Celić

Orientierung für KMU in Zeiten der Transformation


11. August 20263 Min. Lesezeit

Nachhaltigkeit ist oft der Anlass. Orientierung ist das, was Sie wirklich brauchen.

Diesen Satz höre ich in Gesprächen mit Mittelständlern immer wieder bestätigt, nur mit anderen Worten. Die Bank fragt nach ESG-Daten. Ein Kunde schickt einen zehnseitigen Fragebogen zur Lieferkette. Der Aufsichtsrat will wissen, wie es um die Nachhaltigkeitsstrategie steht. Und plötzlich soll das Unternehmen liefern, was es in dieser Form noch nie gebraucht hat.

Die spannende Frage ist aber nicht, wie man diese eine Anfrage beantwortet. Die spannende Frage ist, warum sie überhaupt so viel Stress auslöst.

Der Anlass ist selten das eigentliche Problem

Wenn eine einzelne externe Anfrage ein Unternehmen ins Schwitzen bringt, liegt das fast nie an der Anfrage selbst. Es liegt daran, dass etwas Grundlegenderes fehlt: eine gemeinsame Antwort auf die Frage, wo das Unternehmen steht und wohin es will.

Das zeigt sich typischerweise an einem von drei Mustern:

Mehrere Themen laufen parallel, ohne dass jemand den Überblick hat. Der Einkauf kümmert sich um Lieferantenbewertungen, die Personalabteilung um Diversitätskennzahlen, die Geschäftsführung um die Bankengespräche. Jeder arbeitet an seinem Ausschnitt, aber niemand sieht das Gesamtbild.

Zuständigkeiten sind unklar. Wenn eine Anfrage hereinkommt, beginnt zuerst die Suche danach, wer sich eigentlich zuständig fühlt. Das kostet Zeit und erzeugt Reibung, noch bevor die eigentliche Arbeit beginnt.

Es gibt keine Priorisierung. Alles wirkt gleich dringend, weil nie systematisch sortiert wurde, was wirklich Vorrang hat und was warten kann. Die Folge: Aktionismus statt Fortschritt.

Keines dieser drei Muster hat ursächlich etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Sie treten in jeder Phase betrieblicher Veränderung auf, ob es um Digitalisierung, neue Regulatorik oder eben ESG-Anforderungen geht. Nachhaltigkeit macht das Problem nur sichtbar, weil sie viele Bereiche gleichzeitig berührt: Einkauf, Produktion, Finanzen, HR.

Warum Orientierung mehr ist als ein guter Überblick

Orientierung wird oft mit einer Übersicht verwechselt: eine Tabelle, ein Dashboard, eine Liste offener Punkte. Das ist hilfreich, aber es ist nicht dasselbe.

Echte Orientierung braucht drei Dinge, die eine Tabelle allein nicht liefert:

  1. Eine gemeinsame Sprache. Wenn die Geschäftsführung von „Wesentlichkeit" spricht und die Fachabteilung etwas anderes darunter versteht, wird jede Diskussion zäh. Orientierung beginnt damit, dass alle Beteiligten dasselbe meinen, wenn sie dieselben Begriffe benutzen.
  2. Eine geprüfte Hypothese, nicht nur eine Ideensammlung. Viele Unternehmen haben am Ende eines Workshops eine lange Liste guter Vorschläge. Das ist noch keine Orientierung. Orientierung entsteht erst, wenn diese Liste an der Realität des eigenen Unternehmens geprüft und in eine Reihenfolge gebracht wurde: das hier zuerst, das andere später, manches vielleicht gar nicht.
  3. Eine Struktur, die über den Anlass hinaus trägt. Wenn die Lösung nur die eine Anfrage beantwortet, die gerade drängt, steht beim nächsten Mal wieder alles auf null. Orientierung bedeutet, ein System aufzubauen, aus dem heraus Sie auch zukünftige Anfragen beantworten können, ohne jedes Mal neu bei null zu beginnen.

Ein einfacher Selbsttest

Bevor Sie in die nächste Maßnahme investieren, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf drei Fragen:

Können Sie in einem Satz sagen, welches Nachhaltigkeitsthema für Ihr Unternehmen gerade am wichtigsten ist, und warum? Wenn die Antwort „eigentlich alle" lautet, fehlt die Priorisierung.

Wüsste jede Person in Ihrem Unternehmen, an wen sie sich bei einer ESG-Anfrage wenden müsste? Wenn die Antwort zögerlich ausfällt, fehlt die Zuständigkeit.

Wenn morgen eine neue Anfrage käme, könnten Sie auf bestehende Daten und Prozesse zurückgreifen, oder würden Sie wieder bei null anfangen? Wenn die Antwort „bei null" lautet, fehlt die Struktur.

Drei ehrliche Antworten reichen oft aus, um zu erkennen, wo der eigentliche Engpass liegt. Und meistens liegt er nicht dort, wo die aktuelle Anfrage ihn vermuten lässt.

Was das für Ihr Unternehmen bedeutet

Diese Fragen zu stellen, ist der leichte Teil. Sie im eigenen Unternehmen zu beantworten, ist deutlich schwerer, weil Sie mitten im Tagesgeschäft stecken und selten die Distanz haben, das Gesamtbild objektiv zu sehen. Genau das ist der Punkt, an dem ein Blick von außen hilft: um zu spiegeln, was intern oft schon spürbar, aber noch nicht klar benannt ist, und um aus vielen guten Ideen die eine tragfähige Reihenfolge zu machen. Wie dieser Ablauf aus Zuhören, Spiegeln und gemeinsamem Prüfen konkret aussieht, beschreibe ich im Beitrag Orientierung vor der nächsten Entscheidung.

Falls Sie nach dem Lesen merken, dass bei Ihnen eher die Zuständigkeiten unklar sind als die Themen selbst, oder dass Sie eine Liste guter Vorschläge haben, aber keine Reihenfolge: Genau dafür gibt es das Klärungsgespräch oder den Orientierungsworkshop. Beides sind kompakte Formate, mit denen wir gemeinsam sortieren, was wirklich drängt, ohne dass Sie sich gleich auf ein großes Projekt festlegen müssen.

Jetzt Klärungsgespräch anfragen

Optimized by ShiftPress