Artikel · Alka Celić
VS-Bericht 2026
Der VS-Bericht 2026 ist die konsolidierte Weiterentwicklung dessen, was bisher als VSME bekannt war: ein freiwilliger, aber zunehmend nachgefragter Nachhaltigkeitsbericht für kleine und mittlere Unternehmen. Die Umbenennung ist mehr als Kosmetik, sie spiegelt den aktuellen Stand der Gesetzgebung und macht deutlich, an wen sich der Standard richtet. Wer 2026 auskunftsfähig bleiben will, sollte jetzt verstehen, was sich ändert und was gleich bleibt.
Vom VSME zum VS: Was steckt hinter der Umbenennung?
Der Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed Micro-, Small- and Medium-sized Enterprises, kurz VSME, wird zum VS-Standard. Diese Umbenennung ist Teil der laufenden Vereinfachung im europäischen Nachhaltigkeitsrahmen und soll den Standard klarer von den verpflichtenden ESRS abgrenzen. Für die betroffenen Unternehmen ändert sich inhaltlich wenig, aber die neue Bezeichnung macht sichtbar, dass es sich um ein eigenständiges, auf KMU zugeschnittenes Format handelt, nicht um eine abgespeckte Version der großen Berichtspflicht.
Wer sich bereits mit dem Vorgängerstandard beschäftigt hat, findet in meinem Artikel zum VSME-Bericht die Einordnung, warum der Aufwand oft geringer ausfällt als befürchtet.
Aktueller Status der Gesetzgebung
Die europäische Nachhaltigkeitsgesetzgebung befindet sich weiterhin in Bewegung. Im Zuge der Omnibus-Vereinfachung wurden Berichtspflichten für viele Unternehmen verschoben oder entschärft, während gleichzeitig der Druck aus der Lieferkette nicht verschwindet. Banken, Auftraggeber und größere Kunden fragen weiterhin nach ESG-Daten, unabhängig davon, ob eine gesetzliche Pflicht besteht. Der VS-Bericht entsteht genau in dieser Lücke: als freiwilliges, aber standardisiertes Format, das Unternehmen nutzen können, um diesen Anfragen strukturiert zu begegnen, ohne sich an den vollen Umfang der ESRS zu binden.
Wie sich die Gesamtsituation für KMU 2026 darstellt, habe ich ausführlicher im Beitrag Nachhaltigkeit 2026 beschrieben. Für den offiziellen, aktuellen Wortlaut der Standards lohnt sich außerdem ein Blick auf die Veröffentlichungen der EFRAG, die den VS-Standard technisch entwickelt.
Für wen ist der VS-Bericht relevant?
Der VS-Bericht richtet sich in erster Linie an nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen, die selbst keiner CSRD-Berichtspflicht unterliegen, aber dennoch regelmäßig Nachhaltigkeitsdaten liefern müssen. Das betrifft typischerweise:
- Zulieferer größerer, berichtspflichtiger Unternehmen, die im Rahmen der Lieferkette Daten einfordern
- KMU, die im Kreditprozess von ihrer Bank nach ESG-Kennzahlen gefragt werden
- Unternehmen, die öffentliche Ausschreibungen oder Kundenanfragen mit Nachhaltigkeitsbezug bedienen wollen
- Betriebe, die sich freiwillig und proaktiv positionieren möchten, bevor Anfragen unstrukturiert eintreffen
Für viele dieser Unternehmen ist der VS-Bericht die pragmatischste Antwort: umfangreich genug, um ernst genommen zu werden, aber schlank genug, um mit vorhandenen Ressourcen leistbar zu sein. Wie Sie konkret vorgehen, wenn Sie einen solchen Bericht erstmals aufsetzen, erkläre ich Schritt für Schritt im Leitfaden zur VS-Berichtserstellung.
Was der VS-Bericht 2026 für Ihre internen Abläufe bedeutet
Ein VS-Bericht ist kein einmaliges Dokument, das man abheftet. Er verlangt Datenstrukturen, klare Zuständigkeiten und ein Mindestmaß an Wiederholbarkeit, damit er im Folgejahr nicht wieder bei null beginnt. Genau hier entstehen die häufigsten Schwachstellen: Zahlen werden einmalig zusammengetragen, aber es fehlt ein System, das die Erhebung im nächsten Zyklus erleichtert. Wer den Bericht ernsthaft nutzen will, sollte ihn von Anfang an so aufbauen, dass er in bestehende Prozesse aus Einkauf, HR und Finanzen einfließt, statt als isoliertes Zusatzprojekt zu laufen.
Auch die doppelte Wesentlichkeit spielt hier eine Rolle, wenn auch in vereinfachter Form. Mehr dazu, wie diese Analyse für KMU praktikabel umgesetzt wird, finden Sie in meinem Beitrag zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse.
Qualitätssicherung: Warum ein fertiger VS-Bericht noch nicht das Ende ist
Ein VS-Bericht, der einmal steht, ist noch keine Garantie dafür, dass er hält, was er verspricht. Häufige Schwachpunkte sind uneinheitliche Einheiten, lückenhafte Datensätze und Formulierungen, die eher nach ausgefülltem Formular als nach einem für Ihr Unternehmen passenden Bericht klingen. Eine systematische Prüfung auf Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz, ergänzt um fachliches Urteil zu kritischen Stellen, macht den Unterschied zwischen einem Bericht, der Fragen aufwirft, und einem, der Vertrauen schafft. Wenn Sie externe Unterstützung dabei in Betracht ziehen, lohnt sich auch ein Blick auf die Rolle einer externen Nachhaltigkeitsbeauftragten.
Key Takeaways
- Der VSME wird zum VS-Standard umbenannt, inhaltlich bleibt der Kern für KMU weitgehend gleich
- Die Gesetzgebung befindet sich im Umbruch, gesetzliche Pflichten verschieben sich, der Druck aus der Lieferkette bleibt jedoch bestehen
- Relevant ist der VS-Bericht vor allem für nicht berichtspflichtige KMU mit Anfragen von Kunden, Banken oder Auftraggebern
- Ein tragfähiges System aus Prozessen und Zuständigkeiten ist wichtiger als ein einmalig perfekter Bericht
- Qualitätssicherung nach der Erstellung verhindert, dass ein guter Bericht durch vermeidbare Fehler an Glaubwürdigkeit verliert